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Forum: Fahrbericht Yamaha BT 1100 Bulldog Weiteremfehlen Fahrbericht Yamaha BT 1100 Bulldog
06.02.2002 - Test & Technik...

Fahrbericht Yamaha BT 1100 Bulldog

Fahrbericht Yamaha BT 1100 Bulldog
Nach vielen Jahren japanischer Hausmannskost, hat man nun auch im fernen Osten erkannt, dass nicht alles was schnell und stark ist, auch glücklich machen muss. Endlich bekennt sich Yamaha mit der neuen BT 1100 Bulldog zum einfachen Konzept, das die Tugenden des Motorradfahrens wieder hervorhebt.

Die neue Yamaha BT 1100 Bulldog ist ein Motorrad im ursprünglichen Sinne, das dem Fahrer ohne großen Schnickschnack pures Fahrvergnügen vermitteln soll. Angetrieben wird der schlanke Roadster von einem alten Bekannten, dem luftgekühlten OHC-Triebwerk des beliebten Softchoppers XV 1100 Virago. Seinen Ursprung fand der ruhige Bolide vor exakt 20 Jahren in der eigenwilligen TR 1 mit 981 cm3 und 69 PS. Bis heute hat er nichts von seinem beruhigenden Charakter verloren. Überaus dezent und unauffällig brabbelt der 75°-V2 vor sich hin. Nein, nach einem bissigen Kampfhund hört sich das nicht an. Da erfreut man sich viel lieber an den geschwungenen Formen, d ie zumindest den Eindruck eines Muskel bepackten Kraftmeiers hinterlassen.

Die Marschrichtung, in die Yamaha die BT 1100 schickt, ist ein gänzlich andere als es auf den ersten Blick den Anschein haben mag. Durch die Verwendung hochwertiger Komponenten aus Edelstahl und Aluminium, sowie einem auf Sitzkomfort und gleichzeitig agilem Handling ausgelegten Fahrwerk, hat Yamaha ein Motorrad geschaffen, das man nur schwer in eine bekannte Schublade stecken kann. Glaubt man den Werbestrategen, soll dies „eine völlig neue Lust aufs Fahren schaffen“. Rein optisch lehnt sich die Bulldog leicht an die Buell Cyclone und Ducati Monster an - natürlich ordentlich weichgespült, alles nicht so herzhaft derb wie bei den Mitbewerbern. Keine Frage, im Alltag erleichtert ihre kultivierte Technik den Umgang im direkten Vergleich zur Konkurrenz ungemein. Schön weich hängt der Motor am Gas, keine Spur von Aggressivität - das passt prima zum genüsslichen Kurvenswingen. Dank des hoch bauenden Tanks und der tiefen Sitzmulde fühlt man sich gut in die Maschine integriert.

Dank des Kardanantriebes reduzieren sich die Unterhaltskosten auf ein angenehm niedriges Niveau. Die aus Leichtmetall gefertigte, lange Hinterradschwinge überträgt nur sehr geringe Reaktionen auf das 17-zöllige Fahrwerk. Zumindest solange es nicht allzu hektisch zugeht. Dann addiert sich das relativ große Spiel im Antriebsstrang zur weichen Fahrwerksabstimmung und sorgt für ein unharmonisches Fahrgefühl. Die Federelemente des stählernen Brückenrohrrahmens sind lediglich in der Basis verstellbar. Das allein wäre nicht schlimm, wenn die Abstimmung bloß ein wenig härter gewählt worden wäre. Gleiches gilt auch für die Telegabel. Nein, für die ganz flotte Hatz ist die Bulldog nicht gedacht. Eher schon zum gemütlichen Bummeln, irgendwo zwischen 2.000 und 4.500 min-1. Dann fällt auch die mäßige Leistungsausbeute von 65 PS bei 5.500 min-1 nicht ganz so negativ auf. Leicht und flink wieselt die fahrfertig 245 Kilogramm schwere 1100er dann durch verzwickte Kurvenkombinationen, so dass es eine helle Freude ist, durch die Lande zu düsen. Die Sitzposition ist sehr entspannt, und auch der Sozius findet einen durchaus kommodes Plätzchen vor. Nichts zu mosern gibt´s auch an den bekannt standfesten Bremsen, die die Bulldog von der R1 geerbt hat. Deren Dosierbarkeit und Bremsleistung sind vorzüglich.

Auch die sonstige Ausstattung gefällt durch ansehnliche Details: So ist der Blick auf die Instrumente eine Augenweide. Der kleine, im analogen Tacho integrierte und weiß unterlegte Drehzahlmesser, ist einfach schön anzuschAähler und eine Uhr komplettieren das Ganze. Geschmackvoll schwingt sich elegant geformtes Aluminium ums Heck und integriert gleichzeitig die Haltegriffe für den Mitfahrer.

FAZIT:
Die Yamaha BT 1100 Bulldog ist ein feiner Kerl - ganz so wie die einstige TR 1. Ihr uriger Charakter vermittelt eine zeitlose Atmosphäre bar jeder Hektik. Dass der bekannte V2 technisch nicht mehr ganz auf der Höhe der Zeit ist stört eigentlich nur den Drehzahlgeier, der mit der Bulldog sowieso nichts anzufangen weiß. Die softe Fahrwerksabstimmung wird der Cruiser-Fraktion entgegenkommen und den Umsteigern auf eine ganz angenehme Weise die Welt der Schräglagen eröffnen. Jedem anderen Motorradfahrer kann die Bulldog eine durchaus reizvolle Begleitung sein, solange er sich nicht auf der Suche nach dem Tiger im Tank begibt. Angesichts des günstigen Preises von nur 8.580 Euro ist sie beinahe schon ein Schnäppchen.

Text: Ulrich Hoffmann, Foto: Werk

Technische Daten:
Motor: Luftgekühlter Zweizylinder-V-Motor, 75°, 2 Ventile/Zylinder, OHC, 1063 ccm, Leistung 47,8 kW/ 65 PS bei 5.500 min-1, 88 Nm bei 4.500 min-1, zwei 37 mm-Gleichdruckvergaser, 5 Gänge, Brückenrahmen aus Stahlrohr, Sitzhöhe 812 mm, Tankinhalt 20 Liter, Reifen vorn 120/70-17, hinten 170/60-17, Gewicht fahrfertig 245 kg, Höchstgeschwindigkeit 185 km/h, Verbrauch 6,1 Liter Normal/100 km, Preis: 8.580 EURO. Farben: silber, schwarz, blau-metallic.
 

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