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06.02.2004 - Reisen & Touren...

Madeira

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Das war ein großartiges Erlebnis für fünf passionierte Motorradfahrer aus Aurich und Jever: Mit dem Bike über kurvenreiche Pisten der Blumeninsel Madeira. Organisiert hatte die siebentägige Fahrt Thomas Höfling. Jährlich bietet der Auricher Unternehmer derartige Trips für Motorradfahrer mit wechselnden Zielen an.

Diesmal ging es auf die Atlantik-Insel Madeira. Nach vierstündigen Flug landete die Gruppe mit Helmut Janssen, Dieter Fleischer aus Jever sowie Thomas Höfling, Heinz Behrens und Claus Schüssler aus Aurich in Funchal, der Hauptstadt von Madeira, die zu Portugal gehört. Das Hotel und die Motorräder hatten die fünf Biker vorab gebucht. Es ist Dezember, die ideale Zeit für Motorradfahrer. Die Temperaturen liegen zwischen 18 und 23 Grad. Viel Sonne, wenngleich auch mal ein Regenschauer niedergehen kann. Auf dieser Insel gibt es fast alles: Rustikale Fischerdörfer, Eukalyptus- und Lorbeerwälder, Bananenfelder und Weinberge sowie eine unglaubliche Blütenpracht.

Zerklüftete Steilküsten und eine wilde Bergwelt mit atemberaubenden Schluchten und Wasserfällen prägen das Landschaftsbild. Hier führen die Straßen hoch, auf die es die Motorradfahrer abgesehen hatten. Die Straßen kleben förmlich an den Felswänden, mehr als eine 60 Meter Gerade bis zu nächsten Kurve ist selten. Haarnadelkurven bei heftiger Steigung, und immer wieder Tunnel. Alte, völlig nasse oder neue beleuchtete Tunnel sind auf der ganzen Insel verteilt. Ständig werden neue Tunnel gebohrt. Auf der nur 31 Kilometer langen Autobahn zwischen Ribeira Bravo und Santa Cruz gibt es 30 Tunnel und fast eben so viele Brücken. Der höchste Berg ist der Pico Ruivo mit 1861 Metern.

Bis man oben ist, muss man unweigerlich durch Wolken fahren. Sicht gleich null. Rechts oder links geht es senkrecht in die Tiefe. Nichts für schwache Nerven. Oben angekommen und mit etwas Wetterglück, kann man einen grandiosen Rundumblick genießen. Überall auf der Insel stößt man auf Kühe, sogar mitten auf der Straße. Die Tiere selbst reagieren absolut ruhig auf Fahrzeuge jeglicher Art. Etwa 30 bis 40 Prozent Steigung bietet – an anderer Stell – eine Straße, die auf einem Bergrücken kerzengerade nach oben führt. Auf der zwei Kilometer langen einspurigen zirka zweieinhalb Meter breiten Fahrbahn kommt zum Schluss eine 90 Grad Kurve und gleich danach eine Haarnadelkurve.

Diese kann der Biker nur im ersten Gang und mit einer Körpervorlage bewältigen, bei der er sich nahe am Lenkrad befindet, um nicht nach hinten von der Sitzbank zu rutschen und um gleichzeitig Gewicht auf das Vorderrad zu bekommen. Das Motorradfahren auf Madeira ist bedingt durch die Vorgaben sehr anspruchsvoll. Anfänger haben mit Sicherheit Probleme, zumal das eigenwillige Fahrverhalten der Portugiesen hinzukommt.

Die Insel ist nur 57 Kilometer lang und 20 Kilometer breit, hat aber wegen der unendlich vielen Kurven ein langes Straßennetz. Wer über die Insel fährt und mehr als einhundert Kilometer pro Tag schafft, muss sich schon ganz schön sputen und hat mehrere hundert Kurven und ein ständiges Auf und Ab hinter sich.

Wer Kurven mit gut 50 km/ umrundet, fährt auf der letzten Rille, mit 60 km/h ist man draußen! Da sind natürlich Pausen angesagt, die man überall an herrlichen Aussichtspunkten einlegen kann. Cabo Girao zum Beispiel ist eines der höchsten Vorgebirge der Welt, dort geht es 580 Meter senkrecht in die Tiefe zum Meer. Bizarre Felsen ragen am Ostzipfel der Insel am Sao Lourenco aus dem Wasser. Im Gegensatz dazu ist am westlichsten Punkt, am Ponta do Pargo mit seinem Leuchtturm, die Situation recht friedlich. Auf der Hochebene Paul das Serra in ca. 1500 Meter Höhe ist es nicht nur kühl, sondern auch verhältnismäßig vegetationsarm. Die Hochfläche ist unbewohnt, aber mit seinen Hochmooren trotzdem interessant. Hier gibt es tatsächlich über mehrere Kilometer gerade Straßen. Die Abfahrt Richtung Porto Moniz gestaltet sich dagegen wieder sehr abenteuerlich. Immer wieder hält die Gruppen an, um die grandiosen Ausblicke zu genießen, wenn es der Nebel zulässt. Natürlich ist die Insel nicht nur für das Motorradfahren ein Eldorado.

Madeira ist die Wanderinsel schlechthin. Überall begegnet man Gruppen von Urlaubern, die mit Fahrzeugen zu bestimmten Punkten gebracht werden und von dort aus ihre Touren beginnen. Die Ostfriesen haben eine herrliche Woche auf dieser rustikalen Insel mit ihren ureignen Reizen verbracht. Es war Erlebnis pur. Zum Abschluss eines jeden Tages durfte ein Gläschen Madeirawein nicht fehlen. Genuss bereitete auch der unvermeintliche Poncha, eine Spezialität aus Zuckerrohrschnaps, Honig und frischem Orangensaft – natürlich madeirisch spezial gemixt. Die Gruppe war sich einig: Die Blumeninsel Madeira wird auch im nächsten Jahr wieder ein begehrtes Ziel sein.
 

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