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02.09.2001 - Reisen & Touren...
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Von Cloppenburg ins Weserbergland |
Im August 2000 unternahmen wir von der Cloppenburger Stadtverwaltung unsere erste gemeinsame Motorradtour nach Schleswig-Holstein. Wir hatten viel Spaß an der Tour und deshalb plante ich im Winter direkt die nächste Ausfahrt. Da die Anfahrt nicht zu lang sein sollte, fiel die Wahl auf das Weserbergland. Nachdem wir uns im April auf der „Deutschen Fehnroute“ warmgefahren hatten, ging es am 18. Mai in Richtung Weser los.
Neben mir und meiner Frau Kerstin auf unseren alten Gummikühen (R90/6 und R60/7) waren diesmal Alfred (hat seine Transalp gegen eine Yamaha FJ 1200 eingetauscht), Inge (jetzt auf eigener Suzuki LS 650 Savage) und Berny (wie gehabt auf 600er Shadow), Gudrun (mit neuer Bandit 600 S) und Dirk (Vorführmaschine von Yamaha) und Georg (seiner 1200er Suzuki treu geblieben) mit von der Partie. Kurz nach 14.00 Uhr starteten wir mit unseren 8 Maschinen vom Rathaus über die B68 in Richtung Bersenbrück. Dort verließen wir die Bundesstraße in Richtung Neuenkirchen-Vörden. Von dort fuhren wir durch das Campenmoor und Vennermoor zur B418 und erreichten nach einigen Kilometern das Städtchen Bad Essen. Im Teehaus am Kirchplatz (über 3 Etagen im alten Fachwerkhaus, sehr urig) machten wir Pause und warteten das erste Regenschauer ab.
Frisch gestärkt starteten wir nun auf den kurvigen Teil der Tagesstrecke zunächst in Richtung Melle bis nach Oldendorf im Wiehengebirge. Von dort ging es dann weiter in östliche Richtung über Buer und Rödinghausen nach Hüllhorst. Dort holten uns die nächsten Regenschauer ein und die Regenbekleidung wurde übergezogen, da es nicht nach einer Wetterbesserung aussah. Mit den nassen Straßen angepaßter Geschwindigkeit fuhren wir dann über Schnathorst (Tankpause) und Barkhausen weiter durch das Wiehengebirge zur Stadt Porta Westfalica. Hier treffen Wiehengebirge und das nördliche Weserbergland aufeinander. Auf Grund der schlechten Sichtver- hältnisse verzichteten wir auf den ansonsten unbedingt zu empfehlenden Abstecher zum 1896 erbauten Kaiser-Wilhelm-Denkmal und erreichten über Eisbergen die Stadt Rinteln. Von dort aus fuhren wir ins Weserbergland ein zur 883, über die wir an Hessisch Oldendorf vorbei nach Fischbeck, unserem Tagesziel, gelangten.
Bis hierher hatten wir etwa 180 km zurück- gelegt und vor allem die Strecke zwischen Bad Essen und Rinteln war so herrlich kurvig, daß selbst der Regen den Fahrspaß nicht übertrumpfen konnte. Gegen 18.45 Uhr bezogen wir unsere ge-räumigen und gemütlichen Zimmer im neuen Gästehaus des Hotel „Cafe am Stift“ in Fischbeck. Der Preis von 60,00 DM pro Person für die Über-nachtung incl. Frühstück geht für das Gebotene auf jeden Fall in Ordnung. Zum Hotel der Familie Simon gehört ein Cafe und die Bierscheune, wo wir nach der wohltuenden Dusche den Abend bei Pizza, Bier und Benzingesprächen gut gelaunt ausklinge ließen.
Für 08.00 Uhr hatten wir das Frühstück bestellt. Während wir uns die noch warmen Brötchen schmecken ließen, bekamen wir vom Chef des Hauses noch eine interessante Gratisstunde über die Geschichte des Stiftes in Fischbeck und über die Umgebung von Hessisch Oldendorf. Ich glaube, Herr Simon hätte locker bis zum Mittagessen weiter erzählen können, aber das wollten wir in der Nähe von Göttingen einnehmen und hatten deshalb die Abfahrt fiir 09.00 Uhr vorgesehen und mußten somit den interessanten Unterricht abbrechen.
Pünktlich fuhren wir dann auch vom Hof in Richtungen Höfingen. Von dort ging die Fahrt weiter über Texas (jetzt wissen wir auch, wonach die Amerikaner einen ihrer Bundesstaaten benannt haben), Pötzen, Unsen und Hasperde nach Coppenbrügge. Dort wurde getankt, bevor wir dann über Lauenstein, Harderode, Bremke und Halle die Stadt Bodenwerder erreichten. Diese Stadt ist bekannt durch den Lügenbaron Münchhausen, der dort geboren wurde. Im Rathaus gibt es ein Münchhausenzimmer und ein Brunnen davor erinnert an die Lügengeschichten.
Ab Bodenwerder führte uns die gewählte Route ein Stück entlang der Weser nach Rühle. Von Rühle führt dann eine herrlich kurvige Straße über den Schweineberg nach Golmbach, von wo es dann zwischen duftig gelben Rapsfeldern weiter über Warbsen, Forst und Bevern nach Holzminden ging. Ab hier fuhren wir auf der B497 nach Neuhaus, wo wir in einem kleinen Eiscafe eine kurze Pause einlegten. Die Sonne zeigte sich zwar inzwischen hin und wieder, aber um draußen sitzen zu können, reichte es uns noch nicht aus. Nach den Erfahrungen vom Vortag waren wir jedoch froh, daß es trocken blieb.
Frisch gestärkt ging es nun in den „Solling“ über Silberborn, Dassel und dann in südliche Richtung nach Uslar. Ab Uslar befuhren wir dann fiir einige Kilometer die B241 um kurz vor Hardegsen wieder in südliche Richtung weiterzufahren. Über Ellierode, Hettensen, Adelebsen und Güntersen erreichten wir Dransfeld. Hier wurden die Motorräder mit den kleineren Spritbehältern aufgetankt und um unsere Mägen zu füllen, fuhren wir noch einige Kilometer weiter auf den 508 Meter hohen „Hohen Hagen“. Vom Hohen Hagen aus hat der bedeutende Mathematiker, Physiker und Astronom, Carl-Friedrich Gauß (der ältere Herr vom Zehn-Mark-Schein), in den Jahren von 1821-1823 die „Hannoversche Gradmessung“ (was auch immer das sein mag) vorgenommen.
Ihm zu Ehren wurde der „Gaußturm“ errichtet, in dem sich heute ein Cafe und Restaurant befindet. In 14,5 Meter Höhe konnten wir während des Mittagessens den Ausblick auf die Umgebung genießen. Wer will, kann auf eine Höhe von 45 Metern des insgesamt 51 hohen Turms gelangen, und erhält dafür einen eindrucksvollen Rundblick auf die Umgebung und den Naturpark Münden, an dessen nördlichen sich der Gaußturm befindet.
Da unser Fahrlehrer Dirk die Ausbildung auch am Wochenende nicht ganz vergessen kann, zeigte er uns auf dem Schotterparkplatz, wie man eine Vollbremsung auf losem Untergrund sicher und wirkungsvoll durchführt.
Frisch gestärkt und von der Vorführung beeindruckt machten wir uns dann auf den Weg nach Hann.-Münden. Natürlich nahmen wir auch hier nicht den direkten Weg, sondern machten einen süd-östlichen Schlenker über Jühnde, Dahlenrode, Atzenhausen und Hedemünden (südlichster Ort der Tour). In Hann.-Münden treffen Werra und Fulda aufeinander und bilden die Weser. Aus südlicher Richtung beginnt hier das Weserbergland. Die Stadt hat eine wirklich sehens-würdige Altstadt mit einem wunderschönen Rathaus. Der Naturforscher Alexander von Humboldt übrigens nannte Hann.-Münden eine der sieben schönstgelegenen Städte auf der Welt.
Nach einem kurzen Aufenthalt (Motorradfahren hat nun einmal Vorrang bei uns) fuhren wir auf der Nebenstrecke entlang der Weser Richtung Norden. Über Gimte, Hemeln, Bursfelde, Oedelsheim, Lippoldsberg Bodenfelde und Polier gelangten wir erneut zur B241, deren kurviger Verlauf uns nun nach Lauenförde führte. In Lauenförde statteten wir der „Villa Löwenherz“ einen Besuch ab. Die Villa ist vielen Motorradfahrern als Treffpunkt und Übernachtungsmöglichkeit für Biker bekannt. Während unseres Besuches fand gerade ein „Fazer“ Treffen statt. Da paßte es gut, daß Dirk mit einer brandneuen 1000er Fazer unterwegs war. Die Fußballbegeisterten schauten sich drinnen noch schnell die letzten Bundesligaminuten der Saison mit dem Schalke/Bayern Krimi an, während der Rest im Garten Kaffee schlürfte.
Übernachten wollten wir allerdings nicht in der Villa und so fuhren wir weiter wieder entlang der Weser über Meinbrexen, Fürstenberg (Porzellanmanufaktur im Jagdschloß von Herzog Carl I. von Braun-schweig) und Boffzen nach Höxter. Höxter ist seit jeher einer der Hauptübergänge über die Weser und führt noch heute den Beinamen Brückenstadt. Ganz in der Nähe von Höxter befindet sich das im Jahr 822 erbaute Kloster Corvey, das für seine Stellung als Bildungs-stätte und als Wiege der christlichen Kultur im Norden Deutschlands berühmt wurde. Ab 1860 lebte dort der Dichter des Deutschlandlieds, Heinrich Hoffman von Fallersleben als Bibliothekar und ist dort auch begraben.
Von Höxter fuhren wir weiter über Lütmarsen, Ovenhausen und Eilversen nach Marienmünster-Vörden. Hier hatten wir im Hotel Gasthof Weber unsere Zimmer für die 2. Übernachtung reserviert. Im Gästehaus über der ehemaligen Scheune, in der unsere Motorräder ihr Nachtlager fanden, waren wir für 55,00 DM pro Person incl. Frühstück auch hier in gemütlichen und geräumigen Zimmern hervorragend untergebracht. Bei der Familie Weber machten wir auch wieder die Erfahrung, daß Motorradfahrer heute gerngesehene Gäste sind. An diesem zweiten Tag sind wir etwa 270 wunderbar kurvige Kilometer durch schöne Landschaften gefahren und gern hätten wir uns abends in den gemütlichen Biergarten gesetzt, um den Tag an der frischen Luft ausklingen zu lassen, aber leider waren die Temperaturen wieder zu niedrig. Spargel und Lendchen schmeckten aber auch in der Gaststätte des Hotels ganz hervorragend. Irgendwie hatten uns die vielen Kurven wohl doch müde gemacht, so daß wir schon nach einigen Bierchen bzw. Alstern die kuscheligen Bettchen aufsuchten.
Am Sonntag wurde wieder pünktlich um 08.00 Uhr gefrühstückt. Schließlich hatten wir etwa 300 Kilometer vor uns und wollten abends nicht zu spät in Cloppenburg ankommen. Nach dem ausgiebigen und leckeren Frühstück und einem kurzen Halt an der Tankstelle im Ort fuhren wir zuerst auf den etwa 500 Meter hohen „Köterberg“. Der Köterberg ist die höchste Erhebung rund um Höxter und an sonnigen Wochenendtagen treffen sich hier viele Motorradfahrer, um die prima Aussicht zu genießen und etwas Benzin zu reden. Nachdem wir uns dort einige Zeit aufgehalten hatten, fuhren wir auf verschlungenen Straßen über Falkenhagen, Meibarssen, Baarsen und Kleinenberg nach Bad Pyrmont. Hier gibt es bereits seit dem 16. Jahrhundert einen beachtlichen Kurbetrieb, den wir aber natürlich noch nicht nötig haben. Von Bad Pyrmont ging es dann weiter über Welsede, Aerzen, Grupenhagen, Bösingfeld und dann entlang der Exter nach Rinteln. Die Cafe‘s am schönen Marktplatz mit den alten Fachwerkhäusern öffneten gerade rechtzeitig und da es mittlerweile angenehm warm geworden war, gab es einen ordentlichen Eisbecher zum 2. Frühstück.
Nach der Pause befuhren wir die B238 in südwestliche Richtung nach Hohenhausen. Hier verließen wir die Bundesstraße wieder in Richtung Schötmar bei Salzuflen. Auf der B239 fuhren wir dann um Herford herum, um dann in Richtung Enger abzubiegen. Über Lenzinghausen, Häger und Werther fuhren wir durch den Teuteburger Wald nach Borgholzhausen. Für unsere Chopperfraktion war es wieder Zeit zu tanken, bevor wir über Dissen und Hilter nach Bad Iburg, unserem Mittagsziel, gelangten.
Nach einer ausgedehnten Pause bei strahlendem Sonnenschein und guten deutschen Imbißgerichten (Pommes, Currywurst u.s.w., was sonst?) verließen wir Bad Iburg in Richtung Lengerich. Wir wählten eine kleine Straße über Holperdorp (der Name täuscht, die Straße ist schmal, aber gut), ein wunderschöner Weg nach Lengerich. Im Tecklenburger Land erreichten wir nun die Stadt Tecklenburg. An einem Aussichtspunkt machten wir noch eine kurze Pause, bevor wir dann endgültig nördlich wieder in Richtung „Flachland“ fuhren. Über Holthausen, Laggenbeck, Mettingen, Neuenkirchen (das dritte auf dieser Tour) und Ueffeln erreichten wir Ankum. Zwischen Ueffeln und Ankum gibt es noch ein letztes Auf-bäumen des hügeligen Geländes. Die Ankumer Höhe gehört noch zum Naturpark nördl. Teuteburger Wald/Wiehengebirge.
In der Nähe von Bersenbrück gab es dann noch eine kleine Pause fiir unsere Raucher und über die B68 fuhren wir den Rest des Weges zurück nach Cloppenburg. Gegen 17.45 Uhr standen wir wieder vor dem Rathaus. Insgesamt 750 km verteilt auf unzählige Kurven waren wir an den 2, 5 Tagen gefahren ohne nennenswerte technische Probleme an den Maschinen zu haben (ja, ja, die Gold Wing von der Schleswig-Tour fehlte uns). Ich glaube trotz des Regens am Freitag haben alle viel Spaß an der Tour gehabt und einen schönen Teil Deutschlands gesehen.
Wer die Strecke auf der Karte nachvollzieht, wird feststellen, daß man schon beim Kartenlesen geneigt ist, sich in die Kurve zu legen. In natura ist die Strecke jedoch noch um ein vielfaches schöner und der Mai mit seinem satten Grün und den leuchteten Rapsfeldern ist vermutlich der richtige Reisemonat. Wem aufgefallen ist, daß wir diesmal auch häufiger einige Kilometer Bundesstraße gefahren sind, sei ganz beruhigt. Die Bundesstraßen dort sind zum Glück nicht mit unseren im Weser-Ems-Gebiet zu vergleichen. Für August ist eine weitere Wochenendtour geplant, dann soll es in den Harz gehen. Auch dort werden wir sicher schöne Strecken vorfinden. Mal sehen, wie wir die Monate bis dahin überstehen. |
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| Text und Photos: E. Meyer-Pölking |
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Von Cloppenburg ins Weserbergland
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