Last Update 11.02.2012 14:49 Uhr

BMW G 650 GS


Weniger ist mehr -

BMW G 650 GS
Nun ist die G 650 GS wieder da und zeigt Einsteigern wie Routiniers: Eintopf ist etwas Leckeres.
kleine Unart sehen wir dem Einzylinder aber gerne nach, schließlich lässt er sich auf Wunsch auch schaltfaul fahren. Er läuft selbst bei 2000 Umdrehungen noch rund und lässt sich ruckfrei aus dem Drehzahlkeller hochdrehen. Die Höchst-Geschwindigkeit erreicht er bei 170 km/h. Da das Windschild den Wind-Druck gegen den Körper nur leicht reduziert, pendelt sich auf der Autobahn die Geschwindigkeit irgendwo zwischen 140 und 150 km/h ein. Ein sechster Gang, speziell für diese Überbrückungsetappen, kommt aber dennoch auf unseren Wunschzettel ebenso wie auch ein vernünftiger Drehzahlmesser, statt des digitalen Schätzeisens. Auch eine Tankuhr ist angesagt , auf die BMW ganz verzichtet hat. Nun leuchtet eine Warnleuchte auf, wenn wir mal wieder eine Tankstelle aufsuchen sollten. Etwas Sicherheit eingerechnet ist das etwa alle 200 Kilometer der Fall. Auf schnellen Autobahnetappen vielleicht ein wenig eher, hier haben wir auch mal 5,9 Liter auf 100 Kilometer durch die Einspritzdüsen gejagt. Dagegen erreichten wir auf der Landstraße einen Verbrauch von 3,5 Litern, ohne zu bummeln. Tatsächlich ist die Landstraße das natürliche Revier der kleinen GS. Je enger und kurviger die Strecke wird, desto besser. Hier halten wir problemlos auch mit Kollegen mit, die doppelt so viele PS unter dem Sattel haben. Es ist wirklich erfreulich, was die BMW-Entwickler aus diesem durch und durch konventionell konstruierten Fahrwerk mit normaler Telegabel und Kastenschwinge herausholen. Straff, aber nicht unkomfortabel, lädt es den Piloten zu

fröhlichem Kurvenschwingen ein. Mit geringstem Kraftaufwand lässt sich die Fuhre in Schräglage befördern und zieht danach stoisch ihre Bahn. Dazu trägt die Kombination aus 19-Zoll-Vorderrad und 17-Zoll-Hinterrad ebenso bei wie die Metzeler Endurance EXP-Reifen unserer Testmaschine. Die sind im Wesentlichen auf der Straße zu Hause, wo sie uns auf trockenem wie nassem Untergrund Sicherheit vermittelten und doch haben sie gemäßigte Ausritte auf Schotter-Etappen auch klaglos mitgemacht. Die kleine GS gehört zu den Motorrädern, die wir nach Testende nur ungern zurückgegeben haben. Zwar nervte der etwas seltsam angebrachte Blinkerschalter manchmal, weil wir beim Abbiegen versehentlich hupten, doch dafür freuen sich Fahrer wie Sozius über einen wirklich angenehmen Sitzplatz. Der sorgte gemeinsam mit dem breiten, leicht gekröpften Lenker dafür, dass wir nach einem Tag intensiven Landstraßenräuberns ganz vollkommen schmerzfrei absteigen. Auch der Preis geht in Ordnung. Nun sind 6990 Euro sicher kein Schnäppchen und mit empfehlens-werten Extras wie ABS (400 Euro), Heizgriffe (195 Euro) und Hauptständer (120 Euro) und dem Koffersystem (rund 500 Euro) schießt der Preis leicht über die 8 000er-Marke. Doch dafür ist die spritzige, wendige und komfortable G 650 GS ein Rundum-Sorglos-Paket auf zwei Rädern. BEWERTUNG: Plus: kraft- und charaktervoller Motor, agiles Handling. Minus: schlecht ablesbarer Drehzahl-Messer, unergonomisch platzierter Blinkerschalter.


BMW G 650 GS
Rund drei Jahre mussten deutsche BMW-Fans auf einen Einzylinder wie die G 650 GS verzichten.
Martin Häußermann/mid
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