Last Update 08.10.2010 22:42 Uhr

BMW S 1000 RR


Mut zum Zug

BMW S 1000 RR
Kurz vor der roten Markierung, die bei 14 200 U/min liegt, mahnt der Schaltblitz zum Gangwechsel ein Rennsportattribut für den Alltag. Als Option ist für das bayerische Zweirad ein 360 Euro teurer Schaltassistent verfügbar, der das Hochschalten ohne Kupplungs betätigung bei stehender Gashand ermöglicht. Damit stürmt die BMW noch schneller voran, und die Drehzahlen jagen vehement hoch. Der Fahrer muss am Lenker jedoch hochkonzentriert zu Werke gehen. Wer nicht einen kühlen Kopf bewahrt, riskiert seine Gesundheit. Bei gelassener Fahrweise erlebt man jedoch, dass das gerade mal 204 Kilogramm schwere Bike ohne Mühe punktgenau die anvisierte Linie trifft (und hält). Die Bremsen und das mit 915 Euro aufpreispflichtige, in Verbindung mit einer Traktionskontrolle gar 1 220 Euro teure ABS funktionieren tadellos. Als bevorzugtes Einsatzgebiet ent puppen sich kurvige Straßen und Sträßlein, wo die weißblaue Rakete mehr ihr Können als ihr ganzes Potenzial ausspielen konnte. Auch wenn das schier unendlich scheinende Beschleu nigungsvermögen auf der Autobahn am eindrucksvollsten zu erfahren ist, wird die reine Tempobolzerei schnell fad, denn andere Verkehrsteilnehmer sind mit diesem zweirädrigen Geschoss zumeist heillos überfordert. Mit gewissen Abstrichen am Komfort wegen einer knochenharten Federung, dem Minimal Rückspiegel und dem kaum

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gepolsterten Sitz lässt sich die BMW S 1000 RR auch im Alltag einsetzen. Größere Fahrer klagen auf der Maschine zwar bald über schmerzende Handgelenke und einen steifen Nacken. Zur optimalen Anpassung an die gewünschte Leistung in den entsprechenden Fahrsituationen tragen auch die drei Fahrprogramme Rain, Sport und Race bei, die Motor und Bremsleistung entsprechend der Wahl des Fahrers deutlich spürbar freigeben beziehungsweise reduzieren. Vor allem bei regennasser Fahrbahn sorgt die Wahl des entsprechenden Modus dank zurückhaltendem Leistungszuwachs für ein Sicherheitsplus. Dass die Renn BMW kein Sparmotorrad ist, beweist bereits der Preis: 15.500 Euro kostet die S 1000 RR. Auch an der Zapfsäule muss man ordentlich blechen: Mit einem Durchschnittsverbrauch von 7,0 Liter Super auf 100 Kilometer zählt die Bayerin gewiss nicht zu den Kostverächtern. Hinzu kommen jährlich 175,51 Euro für die Haftpflicht versicherung beispielsweise bei der AXA. Aber die BMW ist das Geld wert. Selbst der erfahrene, eine dynamische Fortbewegung gewohnte Fahrer kann das Potenzial dieser BMW auf regulären Straßen nicht annähernd ausreizen. Es gehört halt eine Portion Mut dazu, den Sportler an seine Grenzen zu bringen. Wenn, dann sollte man dies ohnehin auf einer abgesperrten Rennstrecke tun.


BMW S 1000 RR
Werner Wagner/mid
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