Last Update 09.01.2009 18:06 Uhr

Fahrbericht Honda Fireblade CBR 1000 RR


Eine Frage der Philosophie

Fahrbericht Honda Fireblade CBR 1000 RR
Trotz noblem Understatement, faustdick hinter den Ohren: Fireblade 2008
schon bei mittleren Drehzahlen mit richtig fettem Druck und feuert darüber ihre Pferdchen völlig befreit bis zum Begrenzer bei 13000/min ans Hinterrad. Das geschieht enorm drehfreudig aber ohne jegliche Hinterlist, die CBR entfaltet ihre unbändige Kraft äußerst homogen und gleichmäßig. Einzig die im Vergleich zum Vorgängermodell zwar verringerten, aber immer noch spürbaren Lastwechsel und knackigeren Vibrationen stören den gentlemanliken Auftritt. Das Durchbeschleunigen geschieht fast unspektakulär, so dass man am Ende der mehr als einen Kilometer langen Start-Zielgeraden der Losail-Rennstrecke von Doha ungläubig auf die „292“ Digital-Anzeige im neuen Cockpit schielt. Dieser Anblick löst einen unwillkürlichen Bremsreflex aus, schließlich möchte man das 13760 Euro teure Edelstück ja nicht im Kies von Katar begraben. Analog zur mächtigen Beschleunigung geschieht der Tempoabbau höchst wirkungsvoll dank neuer einteiliger Vierkolben-Radialzangen, bei denen zur Gewichtsersparnis nun Alu-Kolben gegen die Beläge drücken. Das geschieht so vehement, dass man auf keinen Fall mit den malträtierten 320er Doppelscheiben tauschen möchte – selbst wenn man könnte. Eine clevere Anti-Hopping-Kupplung eliminiert lästiges Hinterradstempeln beim Runterschalten und trägt damit ihren Teil zum sicheren Abwinkeln in die nächste Kurve bei. Übrigens macht sich dieses Feature entgegen der landläufigen Meinung nicht nur auf der Rennstrecke bezahlt, auch über Land spart das unauffällige, aber höchst wirksame Bauteil Zeit, die man in die volle Konzentration auf Verkehr und Strecke investieren kann. Auf der Landstraße, nach Honda-Befragungen das

Fahrbericht Honda Fireblade CBR 1000 RR
Pralle 178 PS mit gewaltigem Drehmoment von 114 Newtonmeter

bevorzugte Einsatzgebiet der Fireblade, dürfte sich die neue Fahrwerkskonfiguration positiv auswirken. Der neue, aus vier statt neun Teilen aufgebaute Rahmen, leichtere Räder und Bremsscheiben sparen weitere 2,5 Kilo ein, insgesamt bringt die Fireblade nach durchaus glaubhaften Honda-Angaben mit vollem Tank lediglich 199 Kilo auf die Waage – die erste Tausender unter der 200-kg-Schallmauer! Und, jetzt aufhorchen: Das bringt gleichzeitig einen neuen Bestwert beim aussagekräftigen Leistungsgewicht, bei der 08er Honda braucht sich jedes PS lediglich um 1,11 Fahrzeug-Kilo zu kümmern. Viel aussagekräftiger als diese imponierende, wenngleich isolierte Angabe ist aber das reale Fahrverhalten, das die Fireblade des 2008er Jahrgangs an den Tag legt. Das kompakt wie eine Sechshunderter ausgeführte Motorrad lässt sich leichtfüßig in enge wie weite Radien einbiegen und lässt sich mühelos von der rechten auf die linke Seite zappen. Korrekturen in Schräglage nimmt sie gelassen hin, auch bei der Lenkpräzision bleiben keine Wünsche offen. Spurstabil, verzeihend, handlich – die neue Fireblade ist auf solch einem Terrain einfach ein Hochgenuss. Das liegt nicht nur am niedrigen Gewicht oder der neuen Generation des elektronisch gesteuerten Lenkungsdämpfers, der jetzt übrigens vor den Blicken verborgen unter der Tankabdeckung sitzt. Das untadelige Benehmen kommt vor allem durch die fein austarierte Gewichtsverteilung zustande, für die beispielsweise der mit mehreren inneren Klappen kompliziert aufgebaute Titan-Schalldämpfer nun rechtsseitig auf halber Höhe endet und so die Massenzentrierung optimiert.
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