Last Update 08.05.2009 19:51 Uhr

Fahrbericht Moto Guzzi Stelvio 1200: GS auf Italienisch

Fahrbericht Moto Guzzi Stelvio 1200: GS auf Italienisch
sich die ganze Maschine in bekannter Guzzi-Manier. Im Leerlauf wackeln die Lenkerenden als wollten sie Boogie tanzen. Die Vibrationen lassen jedoch sofort nach, wenn der Gasgriff nur ein paar Millimeter gedreht wird. Weich flutschen die einzelnen Gänge des Sechs-Gang-Getriebes ein und auf den formschönen Speichenrädern rollt die Stelvio gelassen ihrem Ziel entgegen. Bis 4 500 U/min kann man die Leistungsentfaltung als unspektakulär bezeichnen, danach explodiert sie förmlich. Als hätte man den Turbo eingeschaltet, schießt sie mit Macht vorwärts. Bei 8 000 U/min signalisieren Warnlämpchen, dass der rote Bereich längst überschritten ist. Dieser Bruch im Drehzahlband ist nicht jedermanns Sache, zumal gerade im unteren und mittleren Drehzahlbereich die entscheidenden Fahrmanöver wie Überholen und das Beschleunigen aus der Kurve stattfinden. Diese Besonderheit ist den Technikern bekannt, durch verschiedene Motorsteuerungseinstellungen hat man versucht, sie etwas zu neutralisieren. Ist diese geradezu sportliche Motorcharakteristik eine Sache des persönlichen Empfindens, so gibt es in Sachen Ergonomie kaum Meinungsverschiedenheiten: Die Sitzposition auf der zweigeteilten Bank ist entspannt, die Sitzhöhe lässt sich auf 82 beziehungsweise 84 Millimeter einstellen. Der Abstand zum einen Meter breiten Lenker passt großen wie kleinen Menschen, auch die Fußrasten sind gut erreichbar und der Kniewinkel ist nicht zu steil. Dass größere Fahrer mit ihren Knien an die herausragenden Zylinder stoßen, könnten einige als störend empfinden. Während des Fahrens fällt das aber kaum ins Gewicht. Spürbar ist dagegen der Unterschied zwischen den einzelnen Einstellungen des mechanisch verstellbaren Windschilds. Subjektiv sind die Windgeräusche um den Helm in der höheren Position deutlich geringer. Warum allerdings die beheizbaren Lenkergriffe über den Schalter des Multifunktionsdisplays gesteuert werden und nicht über einen einfachen Kippschalter - wie bei
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der BMW GS - scheint nur durch die digitale Verspieltheit der Italiener erklärbar zu sein. Eine nützliche und in die Digitaltechnik einfach zu integrierende Ganganzeige fehlt dagegen. Wenig auszusetzen gibt es am Fahrwerk. Bauartbedingt liegt der Schwerpunkt der Stelvio recht hoch, was für ungeübte Fahrer das Handling erschweren könnte. Doch die fahrfertig immerhin 265 Kilogramm wiegende Enduro überrascht mit einer erstaunlichen Wendigkeit und zielgenauen Lenkbarkeit. Die 50er-Upside-Down-Gabel vorn und das 155 Millimeter Federweg bietende Zentralfederbein sind in Druck- und Zugstufe einstellbar und zeigen sich sowohl auf Asphalt als auch im Gelände den Herausforderungen grober Fahrbahndecken gewachsen. Das gilt auch für die Bremsanlage mit zwei schwimmend gelagerten Bremsscheiben sowie Vierkolben-Radialbremszangen vorn und einer Edelstahl-Bremsscheibe mit Zwei-Kolben-Zange hinten. Allerdings bedarf es doch einer kräftigen Hand, um den Bremshebel punktgenau zu bedienen. Ein ABS ist momentan noch nicht verfügbar, es soll optional für etwa 700 Euro Aufpreis ab Juni dieses Jahres angeboten werden. Aufpreispflichtig sind auch das Koffersystem sowie der auf die Stelvio passende Tankrucksack. Mit einem Grundpreis von 12 750 Euro bewegt sich die Moto Guzzi übrigens auf dem gleichen Niveau wie der bayerische Mitbewerber. Norbert Meiszies/mid Teststeno Moto Guzzi Stelvio: Reise-Enduro mit luft-ölgekühltem 90-Grad-Zweizylinder-Viertakt-V-Motor, längs eingebaut, vier Ventile je Zylinder, Hubraum 1 151 ccm, max. Leistung 77 kW/105 PS bei 7 000 U/min, max. Drehmoment 108 Nm bei 6 500 U/min, elektronische Kraftstoffeinspritzung, geregelter Katalysator, Sechsganggetriebe, Stahlrohr-Brückenrahmen, Upside-Down-Telegabel, Aluminium-Einarmschwinge mit angelenktem Zentralfederbein, Sitzhöhe 82-84 cm, Tankinhalt 18 Liter, Leergewicht 265 kg, Preis 12 750 Euro (optionales ABS ab Juni für ca. 700 Euro).


Fahrbericht Moto Guzzi Stelvio 1200: GS auf Italienisch
Thilo Kozik
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