Last Update 03.07.2009 17:38 Uhr

Fahrbericht Moto Guzzi Stelvio NTX


Die etwas andere Reiseenduro

Fahrbericht Moto Guzzi Stelvio NTX
wenig Handkraft, und die Gangwechsel gehen geschmeidig vonstatten. Das liegt auch an der neuerdings verringerten Schwungmasse, die das Aggregat lebendiger hochdrehen lässt und beim Schalten einen größeren Drehzahlbereich toleriert. Doch so eloquent und zivilisiert der große Guzzi-Motor auch arbeitet, sportlich orientierte Motorradfahrer würden sich mehr Punch aus einem solch mächtigen Hubraum wünschen. Gemäßigten Tourenfahrern kommt diese Charakteristik jedoch zupass. Genau so wie der Arbeitsplatz: Wahlweise in 84 oder 86 Zentimeter Höhe angesiedelt, bietet die für guten Knieschluss und Bodenkontakt vorn sehr schmal geschnittene Sitzbank ein angenehmes Ambiente. Absolut bequem fällt der Griff an den breiten Lenker aus, die aufrechte Oberkörperhaltung bietet beste Übersicht. Aus dieser Warte verliert das im Stand noch mächtig erscheinende Kraftrad einiges von seiner statischen Bedrohlichkeit. Ein weiterer Batzen verfliegt mit dem Losfahren. Das stattliche Gewicht von 251 Kilogramm zeigt sich gut verteilt, das Fahrwerk gut ausbalanciert, und die Guzzi stürmt agil die Serpentinen hinauf und flitzt stabil durch alle Kehren. Ein guter Teil der Handlichkeit geht auf das Konto des schmaleren 150/70er Hinterrades, das im Bedarfsfall mit grobstolligeren Profilen für herzhafte Geländeausritte bestückt werden kann. Haupteinsatzgebiet der Reiseenduro bleibt aber die Straße. Dabei spielen Reisequalitäten wie der Wind- und Wetterschutz

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eine große Rolle. Bei Regen schlägt sich die Guzzi wacker: Die Reifen haben soliden Nassgrip, das Motorrad fährt sehr kontrollierbar und gutmütig. Hinter dem Vorbau mit der mechanisch etwas hemdsärmelig verstellbaren Scheibe genießt der Fahrer guten Wetterschutz, allein der Helm bleibt schutzlos dem Unbill Petrus\' ausgesetzt. Unter diesen Bedingungen freut man sich über das serienmäßige ABS, das gefahrloses effektives Bremsen ermöglicht. Tourenfahrer freuen sich über die Ausstattung mit großen, gut beladbaren Koffer im Abenteuerstil. Allerdings fehlt hier ein Tragegriff, der nach der Demontage die Mitnahme erleichtern würde. In der Anzeige des Cockpits werden auf Knopfdruck zahlreiche Informationen inklusive Durchschnittsverbrauch, Tripzähler und Temperaturanzeige angezeigt. Die Tankanzeige mit zwei großen Balken gibt jedoch nur wenig Aufschluss über den tatsächlichen Füllgrad. Erfreulich: Selbst bei genauerem Hinsehen entpuppt sich die Verarbeitung als sehr ordentlich, die Spaltmaße fallen gering aus und die Lackqualität macht einen überzeugend guten Eindruck. Insofern hat die neue Moto Guzzi Stelvio NTX in der Tat den Abstand zum Bestseller BMW R 1200 GS deutlich verringern können. Bei einem Preis von 15 790 Euro bietet sie sich diejenigen an, die nach dem Besonderen suchen und keine großen Kompromisse hinsichtlich Qualität und Fahrvergnügen eingehen wollen.


Fahrbericht Moto Guzzi Stelvio NTX
Thilo Kozik / MS
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