Fahrbericht Triumph Speed Triple 2003
So schmeckte der Sommer
Es war ein heißer Sommer. Die Triumph Speed Triple zählte in dieser Zeit zu den besonders willkommenen Test-Maschinen in der Redaktion: Nackt, handlich und stark. Im Zeitalter unserer Leistungsgesellschaft geht es für den Motorradfahrer im Allgemeinen nicht mehr darum, das stärkste und vermeintlich schnellste Motorrad in der Garage stehen zu haben. Geschwindigkeiten von über 200 km/h sind für die meisten so selbstverständlich, wie die Gesetze der Schwerkraft. Umso schwieriger wird es für die Hersteller immer wieder mit neuen, faszinierenden Motorrädern die Gemüter zu bewegen. Was für den einen eine emotionale Bindung darstellt, nennt der andere schlicht Spaß-Faktor. Wie dicht beides beieinander liegt, dokumentiert die Triumph Speed Triple bereits seit 1994 wie kaum ein anderes Motorrad. Seitdem immer wieder gehegt und gepflegt, ist sie mittlerweile zu einer Fahrmaschinen allererster Güte gereift. Das war sie prinzipiell schon immer, doch war der Erlebniswert noch sie so hoch wie beim aktuellen Modell.
Schon beim Anblick läuft jedem puristisch angehauchten Motorrad-Fan das Wasser im Munde zusammen. Prägend nehmen die beiden Rund-scheinwerfer die Fahrbahn ins Visier, wirken gemeinsam mit den Instrumenten wie vom Rest der Maschine entkoppelt. Umso krasser kommt der breite Rohrlenker zur Geltung, wirkt durch die vermutete aufrechte Sitzposition geradezu einladend auf den Fahrer. Gekonnt schwingt sich das Leichtmetall-Rohrgeflecht um den 120 PS starken Dreizylinder der 2001er-Daytona. Aha, doch wieder Leistungswettlauf?
Weit gefehlt, denn gegenüber dem Supersportler aus gleichem Hause, wurde der Speed Triple-Antrieb zugunsten einer fülligeren Drehmomentkurve in der Spitzenleistung um satte 29 Pferdchen gekappt. Gegenüber dem älteren Speed Triple-Modell leistet die neue auf dem Papier dennoch beachtliche 12 Mehr-PS. Wie gut der Drilling tatsächlich im Futter steht, offenbart sich später auf dem Leistungsprüfstand, wo der Ausschlag erst bei 127 gemessenen Pferdchen verharrt. Doch nun genug der trockenen Erbsenzählerei. Schließlich wollen wir erfahren, wie und wo die Speed Triple in der Praxis ihre Reize ausspielt. Wer jetzt jedoch gedankenlos an der wunderschönen Einarmschwinge oder den geschränkten Speichen der glattflächigen Leichtmetallfelgen vorübergeht, gehört zu den Ignoranten pikfeinen Maschinenbaus. Das verschraubte Rahmenheck samt Sitzbank und gut 150 teurem Soziushöcker entspricht dem der Daytona. Japanische Stilelemente beim Design lassen sich jedoch nicht ganz von der Hand weisen. Naja, beim Fahren sieht´s eh nur der hinterher Fahrende.
Genauso wie den superbreiten 190er Bridgestone BT 010, der auch bei sportlichen Landstraßen-Einlagen

 ordentlich Grip bietet. Das sollte er auch, denn genau diesen Bereich nutzt man mit der Triple besonders gern. Tief nach vorn gebeugt und Vorderrad orientiert, ist es mit der aufrechten Sitzposition nicht mehr allzu weit her. Mit leicht angewinkelten Armen, den Oberkörper fahraktiv nach vorn gebeugt so ist´s recht. Aggressiv, und mit dem imaginären Messer zwischen den Zähnen, hechtet die Triumph atemlos von einer Kurve zur nächsten, dass Landstraßenfreunden das Herz aufgeht. Damit es auch vor der Kurve nicht unangenehm eng wird, pressen sich bei Bedarf insgesamt acht Kolben mit vier Belägen gegen die 320er Bremsscheiben. Der Kraftaufwand ist niedrig, Wirkung und Dosierbarkeit vorzüglich.
Störend, jedoch nicht wirklich tragisch, ist die schlechte Rücksicht in den Spiegeln. Da gibt´s im Zubehör schicken Ersatz, der auch in der Praxis seiner ureigenen Funktion deutlich besser nachkommt. Ein Gedicht ist das straff abgestimmte, komplett verstellbare Fahrwerk. Dabei ist der große Verstellbereich vorteilhaft. Speziell sportlich ambitionierten Fahrern sei die Anhebung der Federbasis am Heck nahegelegt. Dadurch fällt der Negativfederweg nicht so groß aus. Das Ansprechverhalten wird somit sensibler. Leider treibt die schlechte Zugänglichkeit dem Fahrer schnell diverse Frust-Schweißperlen auf die Stirn.
Aber was ist das schon im Vergleich zum messerscharfen Handling und den großen Fahrwerksreserven. Dank der steil anstehenden Telegabel lenkt die Triple bei Bedarf klappmesserartig ein. Kein Wunder, beträgt der Lenkkopfwinkel mit 66,5° beinahe aktuellem Renn-maschinen-Niveau. Die Sitzbank ist hart und verjüngt sich zum Tank, so dass man sich gedanklich auf einem Supersportler wähnt. Auch das Sitzplateau bewegt sich mit 815 Millimetern tendenzielle eher auf Rennstreckenniveau. Klasse Feeling, tolle Ergonomie. Herumturnen, sich dabei dem Fahrtwind stellen, spät bremsen um bei Bedarf tief abzuwinkeln, anschließend dem röchelnden Dreizylinder-Klang frönen und nebenbei auch noch schwarze Striche auf den Asphalt malen das ist die ureigene Domäne der Triumph Speed Triple. Nach durchschnittlich gut 250 Kilometern und reichlich körperlichem Einsatz wird niemand etwas gegen eine Tank- und Zigarettenpause haben. Im Schnitt fließen 6,7 Liter Superkraftstoff durch die Einspritzdüsen. Wer´s herzhaft angehen lässt, bewegt sich jedoch meist zwischen 7 und 8 Litern je 100 km. Das geht in Ordnung, da die Triumph speziell bei flotter Fahrt relativ sparsam mit dem Sprit haushaltet. Mehr als 9 Liter / 100 km

TECHNISCHE DATEN:
Wassergek. Dreizylinder-Viertakt Reihenmotor, Hubraum 955 ccm, Leistung 120 PS/88 KW bei 9.100 /min, 100 Nm bei 5.600 /min, Bohrung x Hub 79 x 65 mm, Verdichtung 12:1, vier Ventile pro Zylinder, DOHC, Nockenwellen über Zahnkette angetrieben, seq. Multipoint-Kraftstoffeinspritz-ung, digitales Motormanagement, eine Zündkerze/Zylinder, Nasssumpfschmierung, seilzugbet. Mehrscheibenkupplung im Ölbad, klauengeschaltetes Sechsgang-Getriebe, Sekun-därtrieb über Kette, Leichtmetall-Brückenrahmen aus Ovalrohren, verschraubtes Rahmenheck, Radstand 1.429 mm, Nachlauf 84 mm, Lenkkopfwinkel 66,5°, Sitzhöhe 815 mm, Gewicht fahrfertig 210 kg, zul. Gesamtgewicht 395 kg, Tank 21 Liter, Radführ-ung vorn: Telegabel, ø45 mm, komplett verstellbar, hinten Alu-Einarmschwinge, Sachs-Zentralfederbein, komplett verstellbar, Federwege vo./hi. 120/140 mm, Doppelscheiben-bremse vo., ø320 mm, zwei Vierkolben-Festsättel, Einfach-Scheibe hi., ø220 mm, Zweikolben-Schw.sattel, Reifen vo. 120/70-17, hi. 190/50-17, Höchstgeschwindigkeit 245 km/h, Beschleunigung 0-100 km/h in 3,2 Sek., Verbrauch 6,7 Liter Superbenzin/100 km, zwei Jahre Garantie ohne Kilometerbegrenzung, G-Kat und. SLS, Preis: 11.160
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sind wirklich nur mit Gewalt zu realisieren.
Um dem Fahrtwind zumindest ein kleines Schnippchen schlagen zu können, ist die zierliche Fly Screen-Verkleidung erstaunlich nützlich. Die ist am von uns getesteten, auf 300 Exemplare limitierten Sondermodell serienmäßig. Genauso wie die schicke Kühlerverkleidung samt Schnellverschlüssen sowie die Bugverkleidung unterhalb des Motors. Der eigentliche Gewinn liegt in der optischen Aufwertung. Denn auch mit der kleinen Fliegenpatsche werden Auto-bahn-Trips oberhalb der 200 km/h-Marke zum Kräftemessen zwischen Mann (resp. Frau) und Naturgewalt. Selbst in diesem Geschwindigkeitsbereich wird das Erlebnis Speed Triple vom einmaligen Ansauggeräusch geprägt. Das Pfeifen des Primärtriebes, das im Leerlauf gelegentlich als banales laut empfunden wird, kehrt sich mit den ersten Metern in ein raues Klima aus röhrigem Atem mit gewaltigem Pulsschlag.
Das Anfahrdrehmoment ist ordentlich und ermöglicht bis 5.000 /min durchaus eine schaltfaule Fahrweise. Dann fällt der Triple in ein kleines Loch, dass bei 7.000 /min überwunden ist. Wie vom Katapult geschossen, marschiert sie von da an nach vorn, so dass beim vollen Durchbeschleunigen im ersten Gang nur das rechtzeitige Hochschalten in den zweiten einen Wheelie verhindert. Welch Geräuschkulisse, welch tierischer Spaß, sich in diesem Drehzahlbereich zu tummeln. Dabei macht auch das gut schaltbare Sechsganggetriebe keinen Strich durch die Rechnung. Zwar etwas knochig, dafür aber leise und exakt, macht es jedes wildes Treiben mit.
FAZIT:
Eine Triumph Speed Triple ist nicht nur optisch ein ausdruckstarkes Motorrad. Technisch bietet sie einen, bis auf den Einbruch im mittleren Drehzahlbereich, durchzugsstarken und potenten Motor mit G-Kat. Dazu ein handliches, straff abgestimmtes Sportfahrwerk, das sich im kurvenreichen Labyrinth am wohlsten fühlt. Angesichts des Preises eine definitiv empfehlenswerte Möglichkeit, ein Charakter-Bike zu erstehen. Sobald Du Platz nimmst, den Motor startest, das typische Triple-Röcheln hörst bist Du wach. Wie ein Gesetzloser auf der Flucht - vor was auch immer. Vielleicht ist es der angeborene Fluchtinstinkt in Dir, der Dich treibt und ordentlich am Kabel ziehen lässt. Natürlich kann die Triple auch auf gemütlich machen. Bloß scheint es der Fahrer so nicht lange auszuhalten. Schließlich käme ja auch niemand auf den Gedanken einen Vollblut-Pferd als Ackergaul einzusetzen. Aber es geht schon. Wäre nur schade um das edle Pferd.

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