Last Update 24.01.2012 22:46 Uhr

Kawasaki Versys 1000


Ehrliche Eigenständigkeit -

Kawasaki Versys 1000
Kawasaki mischt nun auch bei den im Abenteuerstil gehaltenen großen Reisemotorrädern mit. Doch die neue Versys 1000 gibt gar nicht erst vor, ein Geländegänger zu sein.
Versys kommt von dort nur Zustimmung, das Polster ist dick, die Haltemöglichkeiten prima und das Platzangebot mehr als ausreichend. So bieten sich längere Touren gerne auch zu Zweit an, für die Kawa einen serienmäßigen Gepäckträger und ein Zubehör-Stauraumprogramm aufgelegt hat: Das Givi-Koffersystem mit je 35 Liter Fassungsvermögen kostet 364,20 Euro, ein Givi-Topcase bietet für 147,50 Euro 47 Liter Zusatz-Stauraum. Ohne Zuladung zeigt die Versys ein gut ausgewogenes Fahrverhalten. Das muss ein wenig erstaunen, denn die wie bei der Konkurrenz verbauten langen Federwege machen üblicher weise zwar einen guten Komfort möglich, beeinträchtigen aber Präzision und Stabilität. Davon ist bei der Kawasaki jedoch nichts zu spüren, weil deren gut gedämpfte und einstellbare Federelemente ja auch nicht auf maximale Bodenfreiheit im Offroad-Terrain ausgelegt sein müssen. Damit ergibt sich ein sehr komfortables Fahrvergnügen auf der Straße mit präzisem Feedback und sehr guter Handlichkeit, gepaart mit einer guten Portion Kurvenstabilität. Etwas sensibler könnte die neue Upside-down-Gabel zu Werke gehen, und auch die Fußrasten setzen bei zügiger Fahrt etwas früh auf. Doch insgesamt vermittelt die Versys 1000 unter allen Bedingungen viel Vertrauen, bleibt auch bei knapp 200 Sachen auf der Autobahn stabil und toleriert sehr unterschiedliche Fahrstile. Hinzu kommen auf den sportlichen 17-Zoll-Rädern mit den Pirelli Scorpion Trail tolle Allroundpneus im Endurostil, die sehr neutral abrollen und eine Menge Grip bieten. Den brauchen sie bei dem Antrieb auch. Das vierzylindrige Herzstück fanden die Entwickler nämlich beim großen Roadster Z1000: Der flüssigkeits-gekühlte dohc-Reihenvierzylinder mit 16 Ventilen, Einspritzung und 1 043 ccm Hubraum zeichnet sich durch eine Leistung von 87 kW/118 PS und ein maximales Drehmoment von 102 Nm aus. Im Vergleich zur Z1000 steht der Versys mehr Drehmoment im unteren und mittleren Drehzahlbereich bei leicht reduzierter Spitzenleistung zur Verfügung, beides wird bei niedrigeren Drehzahlen als bei der Z1000 erreicht. Dafür war ein rundum neuer Zylinderkopf mit geänderten Steuer-Zeiten sowie eine neue Abgasanlage notwendig. Gleichzeitig wurde das


Kawasaki Versys 1000
Der flüssigkeitsgekühlte dohc-Reihenvierzylinder der Kawasaki Versys 1000 mit 16 Ventilen, Einspritzung und 1 043 ccm Hubraum zeichnet sich durch eine Leistung von 87 kW/118 PS und ein maximales Drehmoment von 102 Nm aus.

Getriebe mit kürzeren Abstufungen des ersten und zweiten Ganges sowie länger ausgelegten Gangstufen drei bis sechs angepasst. Angenehmer Nebeneffekt: Das Triebwerk soll spürbar sparsamer mit Sprit umgehen, was sich auf der Testrunde um den Vulkan Teide aber nicht überprüfen ließ. Ohnehin bürgt das große 21,5-Liter-Spritfass für große Reichweiten. Erfreulich ist das sanfte Ansprech-Verhalten des Triebwerks in allen Arbeitsbereichen, was insbesondere im unteren Drehzahlbereich die Fahrbarkeit erhöht. Geschmeidig geht der Motor ans Gas und reagiert spontan auf Gasgriffänderungen, der Kraftzuwachs erfolgt recht kontinuierlich und nicht hinterlistig. Bis rund 6 500 Touren fühlt sich der Vierzylinder bärenstark an, darüber geht ihm zusehends ein wenig die Luft aus. Zudem nerven ab 5 000 Umdrehungen Vibrationen in Lenker und Verkleidungsteilen, die trotz Ausgleichswelle deutlich kräftiger zutage treten als bei der Z. Damit fühlt sich die Versys 1000 beim Cruisen im niedrigen Drehzahlbereich ebenso wohl wie bei sportlicher Fahrweise mit mittleren Drehzahlen. Wem der Antritt zu stark oder die Bedingungen zu schlecht erscheinen, kann über einen Wahlschalter am linken Lenker die Motorcharakteristik von F wie Full Power auf L wie Low Power verstellen, was etwa 70 Prozent der Leistung bei noch sanfterem Ansprechen bedeutet. Über die gleiche Schaltwippe lässt sich die dreistufige Traktionskontrolle bedienen, die so im Prinzip auch beim Supersportler ZX-10R verwendet wird. Alle fünf Millisekunden gleicht das System die Parameter ab und greift gegebenenfalls über die Änderung von Zündzeitpunkt, Kraftstoffzufuhr und Drosselklappenstellung sicherheits-fördernd ein. Auf dem erstaunlich griffigen Asphalt von Teneriffa genügte schon die am stärksten regelnde Stufe 3, die zudem alle Wheelies unterbindet. Unterm Strich verkörpert die Versys 1000 ähnlich ihren Mitbewerbern beste Vielseitigkeit, sie ist auf den Asphalt-Einsatz konzentriert: Vom alltäglichen Weg zur Arbeit über genussvolles Reiten auf der Hausstrecke bis zu ausgedehnten Touren in entlegene Winkel reicht das breite Einsatz-Spektrum des 11995 Euro teuren grünen Reisemobils.


Kawasaki Versys 1000
Besonderes Augenmerk haben die Kawa-Entwickler dem Soziusplatz der Versys 1000 gewidmet, wohl wissend, dass von dort so manche Kaufentscheidung gefällt wird.
Thilo Kozik/ mid
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