Last Update 07.10.2011 09:41 Uhr

Kawasaki W 800


Reiten auf der Königswelle -

Kawasaki W 800
Kawasaki W800: moderne Technik ist mit Nostalgie verpackt. So gelingt die Entschleunigung eines hektischen Alltags.
Weiterentwicklung der W 650-Maschine, die durch Aufbohren mehr Hubraum erhalten hat. Allerdings schlägt sich dies nicht in gesteigerter Leistung nieder: Maximal werden 35 kW/48 PS bei 6500 Touren erreicht sowie 62 Nm bei 2500 /min. Geradezu vorbildlich gestalten sich hingegen die Trinksitten: Selbst zügige Ritte auf der Autobahn treiben den Wert nicht über einen Schnitt von 4,8 Liter. In Kombination mit dem 14 Liter fassenden Tank sind somit Distanzen von knapp 300 Kilometern realistisch - wer sich ein wenig Mühe gibt, kommt aber auch bedeutend weiter. Der langhubige Charakter der 650er indes ging wegen des weniger ausgeprägten Bohrung-Hub-Verhältnisses verloren. Nicht mehr so klassisch stampfend, aber auch nicht wirklich drehfreudig legt der Twin ab 1500 Touren entspannt und unaufgeregt zu, bis bei 7500 Umdrehungen der rote Bereich beginnt. Wer sich jedoch in diese Regionen vorwagt, der hat das Prinzip der theoretisch 170 km/h schnellen W 800 nicht verstanden - und lässt die einzigartige Königswelle kräftig rotieren. Es soll übrigens Leute gegeben haben, die sich die W 650 alleine wegen dieser herrlich aufwendigen Art der Ventilsteuerung zulegten. Bei der vierventiligen W 800 dürfte das kaum anders sein. Leichtes Schwingen über die Piste ist ihr wahres Metier - und das sogar auf schlechtem Asphalt.

Begleitet vom genüsslichen Brabbeln aus den beiden Endtöpfen verliert Hektik jede Bedeutung. Lustig marschiert die Kawasaki vorwärts, und zaubert einem rasch ein Lächeln ins Gesicht. Einzig das charakteristische Auspuffpatschen im Schiebebetrieb hat sie verloren. Natürlich gewinnt die W keine Landstraßenrennen - das hat sie auch gar nicht nötig. Sie ist agil, und mehr will sie auch gar nicht sein. Auf ihr ist eine gemütliche, eine genüssliche Gangart angesagt, das macht schon die Sitzposition deutlich. Aufrecht, die Füße im rechten Winkel auf den Rasten, die Hände locker am breiten Lenker - so bequem thront es sich über der Königswelle. Alleine die Bremsen dürften gerne bissiger konstruiert sein: Ein ABS ist für die 217 Kilo wiegende Kawasaki nicht erhältlich. Davon abgesehen herrscht eitel Sonnenschein: die W 800 wirkt sowohl erwachsen als auch komplett. Sie feiert die Renaissance klassischer Details, wobei sie die moderne Technik weitgehend hinter altehrwürdigem Äußeren versteckt, ohne gekünstelt zu wirken. Gekonnt wurde Altes in Neues umgesetzt - was in einem harmonischen Ganzen mündete, das wunderbar geeignet scheint, dem Stress des Alltags den Stachel zu ziehen. 8190 Euro kostet die Kawa, aber eigentlich sollte es sie auf Rezept geben …


Kawasaki W 800
Motor der Kawasaki W800: zwei Zylinder, Ventilbetätigung über aufwendige Königswelle.
Heiko P. Wacker/mid
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