Last Update 02.12.2010 16:10 Uhr

Kawasaki ZX-10R


Gentle Giant

Kawasaki ZX-10R
sehr lineare Leistungsentwicklung ohne hinterlistige Drehmomentattacken oder tiefe Leistungslöcher anerzogen. Deshalb wirkt die Ninja beim Heraus-Beschleunigen aus der Kurve eher unspektakulär, obwohl sie am Ende langer Start-Zielgeraden durchaus angemessene 285 km/h auf dem Tacho erreicht. Dazu kommt, dass die ZX-10R einen für Kawasaki untypisch weichen Motorlauf ohne die üblichen kernigen Lebens-Außerungen zeigt. Einzig das harte Ansprechverhalten des Motors nach geschlossener Drosselklappe mindert den ansonsten sehr kultivierten Eindruck des Triebwerks. Daneben hält die neue Kawasaki verschiedene elektronische Helferlein bereit, die den Umgang mit der grünen Rakete erleichtern, wie beispielsweise das S-KTRC (Sport-Kawasaki Traction Control), eine supersportliche Traktions-Kontrolle. Der Fahrer kann je nach Vorliebe unter verschiedenen Betriebs-Arten wählen oder das System ganz ausschalten. Da es zur größtmöglichen Beschleunigung eines gewissen Schlupfs bedarf, lässt das S-KTRC zur Optimierung der Traktion Schlupf zu. Das ideale Schlupfverhältnis variiert je nach den Bedingungen. Der regelnde Einsatz der Traktionskontrolle über die Zündung fällt sehr sanft aus und bringt keinerlei Unruhe ins Fahrwerk. Das Ziel, den Fahrer früher und heftiger am Kabel ziehen zu lassen, darf sicherlich als voll erreicht betrachtet werden. Zweites elektronisches Regulativ ist das Supersport-ABS KIBS (Kawasaki Intelligent Antiblockiersystem). Es nutzt neben den Drehzahlsensoren an

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Vorder- und Hinterrad auch den Hydraulikdruck des Vorderrad-Bremssattels sowie verschiedene Daten des Motor-Steuergeräts. In der Praxis greift es erst spät und dazu fein regelnd ein. Es fördert die Bremsstabilität und vermittelt viel Sicherheit. Während die Traktions-Kontrolle serienmäßig an Bord ist, müssen für eine ZX-10R mit dem Supersport-ABS 1 000 Euro mehr hingeblättert werden. Wenig zu kritisieren gibt es beim komplett neuen Fahrwerk, das aus einem neuen Rahmen, neuen Federelementen und überarbeiteten Bremsen besteht. Es bleibt festzustellen, dass die neuen Federelemente sehr feinfühlig auf leichte Änderungen am Setup reagieren und die Ninja wie gewünscht beruhigen. Bei aller Freude über die gelungene Abstimmung ist die Kawasaki kein leichtfüßiges Hupferl, das von alleine in die Kurve fällt. Es bedarf etwas Körpereinsatz, um das Motorrad auf die richtige Linie zu bringen, dann bleibt es jedoch gut in der Spur. Korrekturen in der Schräglage verlangen ebenfalls mehr Aktionen. Ein Vergleich mit der Vorgängerin ist angesichts der kompletten neuen Konstruktion nicht unbedingt hilfreich. Aber zehn eingesparte Kilogramm und 20 PS mehr sind eine klare Kampfansage an die übrige Superbike-Welt inklusive des aktuellen Klassenprimus BMW S 1000 RR. Das betrifft leider auch die Preisvorstellung, die mit rund 15 500 Euro für die Standardversion und 16 500 Euro für die ABS-Variante ungeahnte Höhen erklimmt.
Thilo Kozik/mid
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