Last Update 29.06.2010 11:00 Uhr

Mercedes S Klasse W 126


Ein guter Stern wird Oldtimer

Mercedes S Klasse W 126
Die Mercedes S Klasse der zweiten Generation gilt vielen als das beste Auto der Welt
Polyamid, die die bisherigen Edelstahlvarianten ablösten. Die neue Nüchternheit machte sich auch im Luxusbereich bemerkbar. Das Facelift Mitte der 80er Jahre brachte jedoch auch Änderungen unter der mächtigen Motorhaube, wo der von einem Vergaser befeuerte Sechszylindermotor von einem Einspritzer mit kleinerem Hubraum abgelöst wurde. Spötter hatten die ursprüngliche Einstiegsvariante ?280 S mitunter als Kolonialmodell bezeichnet, da sie vor allem in jenen Ländern begehrt war, in denen eine kompliziert anmutende Einspritzanlage die Kundschaft eher abschreckte. Noch heute werden diese Modelle beispielsweise häufig nach Afrika verschifft, wo der 126er gemeinsam mit seinem kleineren Bruder, der Mittelklassebaureihe W 123, tatsächlich als ?guter Stern auf schlechten Straßen gilt. Alle anderen Modelle des W 126 hatten Einspritz motoren und das entsprechende Kürzel ?SE mit Ausnahme des nur für den Export gebauten 300 SD. Das ?D steht für Diesel und war fast ausschließlich in Nordamerika zu sehen, während ein potenter V8 Benziner hier wie dort das obere Ende der Skala markierte. Er schöpfte 221 kW/300 PS aus 5,6 Litern Hubraum. Angeboten wurde der 126er zunächst als viertürige Limousine, wobei mit Ausnahme der kleinen Motoren auch eine Langversion erhältlich war. Der ?SEL verdankt seine Modellbezeichnung dem um 140 mm verlängerten Radstand. Das ?L stand dabei für ?lang die Passagiere im Fond wussten den Raumgewinn durchaus zu schätzen. Im Herbst 1981 wurde zudem das Coupe ?C126 vorgestellt: Es trägt als Modell bezeichnung das Kürzel ?SEC und wurde ebenso ein
Technologieträger wie die anderen komfortablen Varianten. Manche beim 126er eingeführten Innovationen hielten erst Jahre später Einzug in andere Fahrzeugklassen. Der ab 1981 erhältliche Airbag ist so ein Beispiel. Die damals noch als Luftsack titulierte Option kostete rund 1500 DM. 1987 folgten der Beifahrerairbag wie auch die Antriebsschlupfregelung, während der 300 SDL schon wieder auslief. Er war das erste Dieselfahrzeug mit serienmäßigem Partikelfilter. Offiziell geschah der Modellwechsel zum massig wirkenden Nachfolger W 140 im Jahr 1991, wobei noch einige Fahrzeuge in Sonderschutzausführung folgten und eine kleine Reststückzahl in Südafrika montiert wurde. Am Ende war der 126er, von dem alleine 818 066 Limousinen vom Band liefen, eine unerwartete Erfolgsgeschichte, die längst in der Youngtimer Szene ihre Fortsetzung findet. Wie bereits im Falle des 1976 angelaufenen W 123 kümmern sich Freunde alter Sternenkreuzer längst auch um den großen Bruder. Immerhin ist die überdurchschnittliche Verarbeitungs qualität und der oft pflegliche Umgang mit dem noblen Gefährt die perfekte Grundlage eines langen Autolebens. Auch die kritischen Stimmen, die vor allem dem modernen Kunststoffdesign der gelifteten Version ab 1985 den Oldtimerstatus zunächst verweigerten, verstummen immer mehr. So wird dem W 126 über kurz oder lang ebenso der Zutritt in den Olymp anerkannter Klassiker offen stehen, wie bisher allen S-Klassen der Marke mit dem Stern. Und das wird wohl immer so sein, wenn ein Modell die magische Marke von 30 Jahren erreicht.


Mercedes S Klasse W 126
Klimaanlage, Sitzheizung und elektrische Fensterheber waren Anfang der 80er Jahre keine Selbstverständlichkeit
Heiko P. Wacker/mid
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