Last Update 09.01.2009 18:06 Uhr

Test Kawasaki Ninja ZX-10R


Jagd Instinkt

Test Kawasaki Ninja ZX-10R
Ninja ZX-10R: Mächtig Power
Dosen. Was die 2008er-Zehner aber hier abfackelt, ist schon ein Fegefeuer mit viel Power-Boost bei maximaler Kontrollierbarkeit. Und genau das hilft auch draußen auf dem grauen Alltagsasphalt. Denn schließlich gibt’s ‘ne Straßenzulassung für den grünen Renner (auch in diabolischem Schwarz und schrillem Orange erhältlich), und der wird er vollauf gerecht.Klar wird auch bei der Neuen der Jagd-Instinkt betont, aber welchen echten Supersport-Fan wird dies stören. Wer bummeln will, soll sich‘n and‘res Bike suchen. Hier regiert der stolze Falkner mit seinem leistungshungrigen Falken. Der hohe Aufwand, den die Ingenieure mit dem großen K auf der Brust da getrieben haben, deutet sich schon im Stand an. So schmal baute noch keine große Ninja, da hat sich das Training in der Kawasaki-Fitnessbude wahrhaft bezahlt gemacht. Schön eng auch die Beinhaltung für einen Reihenvierer. Das macht der bereits in ähnlicher Form bekannte Kastenprofil-Brückenrahmen aus Alu möglich, der nicht neben, sondern oberhalb der Zylinderbank seine Schwingen ausbreitet. Ein neuer Ram-Air-Kanal, der bereits ganz vorn an der Front der Zehner die ganz besondere Note verleiht und mitten durch die Lenkkopfpartie führt, die größere Airbox, ein Zylinderkopf mit neu gestalteten Ein- und Auslasskanälen, angepassten Brennräumen, kleineren Auslassventilen (24,5 statt 25,5 mm Durchmesser), Nockenwellen mit mehr Hub, Vorschalldämpfer nebst Titan- Endschalldämpfer, geänderte Getriebeübersetzungen für ersten, vierten und fünften Gang sowie die hochmoderne Zündelektronik namens KIMS (Kawasaki Ignition Management System) verleihen der Power-Brumme eine saftige Kraftspritze. Der Angriffsmodus des Falken wird damit zum reinsten Vergnügen. Ebenfalls großen Anteil daran haben die ausgeklügelte Aerodynamik und damit einhergehend die sprintgerechte Ergonomie. Letztere zeichnet mitverantwortlich für das glasklare Feedback. Der Tank bietet vorn weiterhin die typische Kuhle für den Kinnschutz des Fahrerhelms. Zudem kann sich der Fahrer mit der Innenseite seines kurvenäußeren Arms an speziellen Ausbuchtungen im oberen Bereich des Spritbehälters anschmiegen. Der neue Sitz fällt kürzer aus. Dadurch kann sich der Pilot besser hinten an die Kante zum


Test Kawasaki Ninja ZX-10R
Kawasakis neuer Jagdfalke: Ninja ZX-10R

Test Kawasaki Ninja ZX-10R
Sportlich knapp für knackigen Hintern.

Soziussitzpolster abstützen. Kontakt zum Bike wird hier ganz groß geschrieben. Denn nur so ist eine perfekte Rückmeldung gewährleistet. Faszinierend, wie sich aus der Summe der vielen kleinen und größeren Änderungen (siehe Kasten) am Schluss ein imponierendes Gesamtbild ergibt. Die enge Rechts eingangs von Start/Ziel will hart angebremst werden, dabei wechselt der Belag mehrmals. Die Zehner zuckt nicht einmal. Dann schnell abklappen – kein Problem. Die Querspange, die den Kurs gleich mal um einige verzwickte Kurven und‘nen runden Kilometer verkürzt, hat’s in sich. Denn hier liegt noch der eine oder andere Sandkrümel rum, der Reifen und Fahrwerk fordert. Aber die Pirellis (Diablo Corsa III) unseres Falken krallen sich förmlich in den Asphalt und können auch solche Launen des Untergrunds locker wegstecken. Dann geht’s aus einer leichten Senke heraus bei voller Beschleunigung im Ersten über eine leichte Kante auf die Zielgerade. Noch ehe man in den Zweiten schalten kann, hebt’s das Vorderrad an, die Front wird leicht… und der Magen etwas flau. Nichts gibt’s, durchhalten, das Gas bleibt voll stehen. Allerdings fühlt man sich dann schon etwas wohler, wenn der Falke wieder mit den Fängen erfolgreich nach dem Asphalt greift und vorn komplett aufliegt – ohne dabei zu zappeln, denn dieser fein gemachte Öhlins-Lenkungsdämpfer macht seinen Job vorzüglich. So kommt’s, wie es kommen muss. Erneut drei Gänge durchgeladen, und die Zehner brennt die Gerade lang. Als Außenstehender vernimmt man ein deutliches Zischen, fast wie beim Schwingen eines Samurai-Schwerts, das die Luft zerschneidet. Ich bereite mich schon wieder auf Turn One vor, als ich im Augenwinkel gerade noch die schwarz-weiß karierte Flagge sehe. Ein Blick zu der auf Rot geschalteten Ampelanlage bestätigt es, mein Tag mit dem neuen Greifvogel Kawasaki ZX-10R geht zu Ende. Mist! Meine Enttäuschung weicht aber schnell der Erkenntnis, dass dies nicht das endgültige Ende ist. Unsere gemeinsame Jagd wird eine Fortsetzung finden. Dann werden wir wieder den Falken fliegen lassen! Die neue große Ninja ist jedenfalls ein ganz heißer Vogel, an dem Supersportfans und Racing-Teams gleichermaßen Gefallen finden werden.
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