Last Update 09.01.2009 18:06 Uhr

Triumph Daytona Modell 1999


Mit ein wenig gemischten Gefühlen stehe ich beim Triumphhändler und warte auf den Zündschlüssel für die Triumph Daytona, die ich die nächsten drei Tage bewegen will, um einen Fahrbericht erstellen zu können. Zugegebenermaßen haben die Produkte der Firma Triumph in meinem bisherigen Motorradfahrerleben praktisch keine Rolle gespielt.

Verfügung. Die Daytona hat was - ja, Charakter hat sie und wie. Und einen Spaßfaktor, der jeden Sportfahrer, der nicht nur auf Angaben über PS und Höchstgeschwindigkeit schielt, zu begeistern vermag. Dabei ist die Daytona alles andere als untermotorisiert. 128 PS und ein Drehmoment von 100 Nm (bei 7.100 U/min) reichen für Höchstgeschwindigkeiten jenseits der 250 km/h und einer Beschleunigung vom 0 auf 100 in rund 3 Sekunden. Noch beeindruckender sind sicherlich die Durchzugswerte. Wer braucht eigentlich mehr? Die Bedienelemente sind einschließlich aller Schalter und Hebel ohne Tadel. Analoge Instrumente mit weißen Zifferblättern für Geschwindigkeit (incl. Kilometer- und Tageskilometer), Drehzahl und Wassertemperatur und Kontrolleuchten für Öldruck, Lichtmaschine, Leerlauf, Blinker, Fernlicht, Leerlauf und Reserve geben über alle für ein Sportmotorrad notwendigen Informationen Auskunft. Eine rote Ampel zwingt mich rasch Geschwindigkeit zu vernichten. Mit zwei Fingern betätige ich die Vorderradbremse und werde erneut überrascht. Die Vorderradbremse \"beißt\" hervorragend zu und benötigt kaum Handkraft (ein Finger zum Bremsen reicht!). Dabei ist sie dennoch phantastisch zu dosieren, so daß man die Bremsanlage mit den Vierkolbenfestsätteln und den schwimmend gelagerten 320 mm Bremsscheiben nur mit der Note \"ausgezeichnet\" bewerten kann. Ach ja, eine Hinterradbremse hat die Daytona auch. Die ist aber eher unspektakulär. Um das sportliche Potential der Daytona auszuloten verlasse ich die Bundesstraße und suche mir eine kurvenreiche Landstraße. Nach kurzer Eingewöhnungszeit taste ich mich langsam in den (meinen?) Grenzbereich vor. Das Fahrwerk der Daytona braucht in Puncto Handlichkeit, Einlenkverhalten und Kurvenstabilität keinen Vergleich mit anderen Supersportlern zu scheuen, was sicher auch mit dem geringer Gewicht (198 kg Leergewicht) zusammenhängt. Langsame wie schnelle Kurvenkombinationen sind mit der Triumph ein \"Gedicht\"; ohne Kraftaufwand lenkt sie ein und behält den eingeschlagenen Kurvenradius stabil bei. Die voll einstellbaren Federelemente mit ihrer zwar sportlichen aber dennoch nicht unkomfortablen Einstellung tragen dazu bei, auch auf unseren von Frostaufbrüchen übersäten Landstraßen (mein Gott, sind unsere Landstraßen in Ostfriesland schlecht) schnell unterwegs zu sein. Selbst kleinere Schlaglöcher in Schräglage steckt das Fahrwerk ohne unruhig zu werden weg. Im Vertrauen auf die mir wohl bekannte Bridgestone BT 56 - Serienbereifung (120er Vorderradreifen und 190er Hinterradreifen), die mir schon vertraute Bremsanlage und das handliche Fahrwerk lasse ich es, unterstützt vom durchzugskräftigen Motor so richtig gehen (hoffentlich bekomme ich kein amtliches Foto über meine Fahrkünste)
und stelle fest, daß die Daytona für diese Art des Motorradfahrens wie geschaffen ist. Die gleichmäßige Kraftentfaltung des Motors verbunden mit der spontanen Reaktionen auf jeden Dreh am Gasgriff und der sportlich angenehmen Sitzposition, die es dem Fahrer ermöglicht, \"Gewicht auf das Vorderrad zu geben\" lädt zum Kurvenräubern geradezu ein. Was kann schöner sein, als mit der Daytona aus der Ecke rauszubeschleunigen? Mit der Summe ihrer positiven Eigenschaften braucht die Daytona auch auf winkeligen Kursen wahrlich keinen Gegner zu scheuen. Auch mit Sozia läßt die Daytona keine Wünsche offen. Wie mir meine in Sachen Sitzposition allerdings nicht gerade verwöhnte \"bessere Hälfte\" nachdrücklich bestätigte, ist auch ein eventueller Mitfahrer auf der Daytona mehr als akzeptabel untergebracht. Die recht bequeme Sitzbank, die nicht übermäßig überhöhte Sitzposition und der verträgliche Abstand zu den Soziusfußrasten verhindern, das die/der Sozia/us leiden muß, wie es bei anderen Supersportlern leider oft der Fall ist. Kritikpunkte an der Daytona auszumachen fällt äußerst schwer, auch wenn ich zugeben muß, in Anbetracht der Charakteristik und der Qualitäten der Triumph schwer objektiv bleiben zu können. Die etwas umständliche Verstellung der Rückspiegel (nur die Spiegeleinsätze sind verstellbar) könnten leichte Kritik hervorrufen. Der Seitenständer ist etwas schwer erreichbar. Ob der Benzinverbrauch von über 8 Liter auf 100 Kilometer bei flotter Fahrweise bei einem Tankvolumen von 18 Litern (davon 3 Liter Reserve) ein Kritikpunkt ist, mag jeder für sich selbst entscheiden. Ist die Triumph Daytona nun \"very british\" oder nicht? Versteht man unter dem Begriff \"very british\" ein gewisses Maß an Nachlässigkeit und konservativer Einstellung, so ist sie es wahrlich nicht. Setzt man den Begriff aber mit Charakter und Eigenständigkeit gleich, ist die Daytona sehr wohl \"very british\", denn Charakter hat sie. Und dies macht die in den Farben rot Tornado Red), schwarz (Jet Black) und goldgelb (Lighning Yellow) zu einer echten Alternative für Sportbiker, denen eine Ducati 916 oder 996 zu extrem (oder zu teuer) und ein Vierzylinder zu charakterlos und ausgewogen ist. Darüber hinaus verkauft Triumph nicht nur Motorräder, sondern ein ganzes Lebensgefühl einschließlich Clubmitgliedschaft (im Jahr der Anschaffung ohne Mitgliedsbeitrag) und der Teilnahmemöglichkeit am Daytona-Markencup. Auch das von Triumph angeboten Zubehörprogramm für Fahrer und Maschine sucht seinesgleichen. Nach den positiver Erfahrungen meines Wochenendes mit der Triumph Daytona kann es sehr gut sein, daß der \"Union Jack\" auch die Verkleidung meines nächsten Motorrades zieren wird.
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