Yamaha Super Tenere 2010
Ein Hauch von Wüste
Schon der Name der neuen Yamaha-Reiseenduro klingt nach Sahara und Abenteuer: Die ab 14750 Euro teure Super Tenere möchte nun mit viel Hightech an die erfolgreichen Zeiten der japanischen Wüstenschiffe anknüpfen.
Doch auf der ersten Testetappe mit dem neuen Bike von Paris nach Toulouse gilt es eher, den Schnee vom Visier zu wischen als den mitgeschleppten Getränke Vorrat anzubrechen. Oben auf dem 1231 Meter hohen Col de Legal im französischen Zentralmassiv herrscht eine empfindliche Maikühle. Und dennoch: Die Super Tenere ist auch für die kühle Witterung eine gute Wahl. Der vielseitige Allrounder, ein Überall hin Bike quasi, erinnert an das gleichnamige Modell von 1990, welches die Tenere, einen sandigen Abschnitt der Sahara, locker meisterte und die legendäre Rallye Paris-Dakar gleich siebenmal gewinnen konnte.
Doch mit dieser robusten Enduro hat die neue nur noch wenig gemein, das beginnt schon beim Motor: Der Reihenzweizylinder ist mit 1199 ccm deutlich größer als das 750er Aggregat damals, was durchaus als Kampfansage an den Klassenprimus, die BMW R 1200 GS, verstanden werden darf. Wie diese kommt die Yamaha mit Vierventiltechnik, Einspritzung und Kardanantrieb daher. Allerdings nicht in Boxer, sondern Reihenkonfiguration und wassergekühlt wie bei der ersten Super Tenere.
Mit ihren 81 kW/110 PS Leistung liegt die Yamaha auf dem Niveau der Münchner Konkurrenz. Kraftvoll, durchzugsstark und mit einem vibrationsarmen, leicht hochdrehenden Charakter kann der Paralleltwin überzeugen. Bei Reisetempo von 130 km/h auf der Autoroute Richtung Süden bleiben genügend Reserven für

schnelles Überholen und bis zu 210 km/h Spitzengeschwindigkeit. Hinter einer kleinen, allerdings nur sehr kompliziert verstellbaren Scheibe bleibt der Wind-Druck am Oberkörper recht gering.
Ungeachtet des Harte-Männer-Images ist die Super Tenere ein sehr hoch spezialisiertes Bike mit viel Hightech: Das Gasgeben erfolgt elektronisch, eine in zwei Stufen einstellbare oder ganz ab-schaltbare Traktionskontrolle erleichtert die Drosselklappenkontrolle am Kurven-ausgang. Zusätzlich stehen zwei Fahr-Modi zur Verfügung: Sport für das ambitioniertes Kurvenwetzen oder das Touring für ein sanfteres Ansprech-Verhalten.
Obwohl der Rahmen aus vergleichs-weise einfachen Stahlprofilen besteht, bleibt die Yamaha stabil und steif wie ein drei Tage altes Baguette. Insbesondere mit den robusten Aluminium Koffern und den Handprotektoren macht sie einen unverwüstlichen Eindruck im alltäglichen Verkehrsstau französischer Städte. Und obwohl die Yamaha alles andere als klein und leicht ist, lässt sie sich gut kontrollierbar durch die Autos schlängeln, dem tiefen Schwerpunkt und den zentralisierten Massen sei Dank.
Auf kurvigen Landstraßen setzt sie leichte Richtungsbefehle am breiten Lenker präzise um und benimmt sich weitaus agiler und leichtfüßiger als es die technischen Daten vermuten lassen. Nur extrem hart gefahren machen sich ihre sehr langen, komfortablen Feder-Wege in leichte
Teststeno Yamaha Super Ténéré:
Straßenmotorrad mit flüssigkeitsgekühltem Zweizylinder-Reihenmotor, vier Ventile pro Zylinder, 1199 ccm Hubraum, Bohrung x Hub 98,0 x 79,5 mm, Leistung 81 kW/110 PS bei 7.250 U/min, max. Drehmoment 114 Nm bei 6.000 U/min, elektronische Einspritzung, geregelter Kat, sechs Gänge, Kardanantrieb, Stahlörohr-Brückenrahmen, Upside-Down-Teleskopgabel, Aluminium-Zweiarmschwinge mit Zentralfederbein, Sitzhöhe 845-870 mm, Tankinhalt 23,0 Liter, Leergewicht 261 kg; Preis: 14 750,- Euro zzgl. Liefernebenkosten, ABS serienmäßig.